Sonntag, 11. März 2012
Bavarisch schräg und zärtlich, bairisch global
Samstag, 3. März 2012
Alles bavarisch: Stahl, edel; Acryl, imponierend; Sommerwein, beschwingend
Bürgermeister Jens Machold hatte schnell einen Favoriten gefunden unter den Plastiken, die der Künstler namens „Hex“ in der Wolnzacher Rathaus-Galerie präsentiert, und unter Alexander Kreileders imponierenden Acryl-Gemälden ist unser Wunsch-Bild „Lost in my Dreams“ – als würde Bruce Springsteen skeptisch bayerische Kunst inspizieren.
Nathalie Ponsot, der Kuratorin der Rathaus-Galerie, ist mit der Gemeinschaftsausstellung des Pfaffenhofener Künstlers Alexander Kreileder und des Stahlbildhauers „Hex“ (einen kryptischer Name, ein Akronym?) aus Osseltshausen ein großer Wurf gelungen. Kein Wunder also, dass Kulturreferent Alois Siegmund zur Vernissage außerordentlich viele Gäste begrüßen konnte, darunter den ehemaligen Kulturreferenten der Stadt Pfaffenhofen, Hellmuth Inderwies, in Begleitung von Antonio Cigna, Vorsitzender von „Pro Europa Una“ und Maestro d’Arte.
In seiner Laudatio würdigte Siegmund den Osseltshausener als Stahlbildhauer, der, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, im Edelstahl nun sein Lieblingsmaterial gefunden habe und niemals zeichne: „Hex“ versuche gar nicht, seine dreidimensionalen Gedanken auf zweidimensionales Papier zu bringen, um sie dann wieder in die dritte Dimension zu übertragen. So seien seine Entwürfe gleichzeitig schon autarke Plastiken.
Manchem erscheine, so Siegmund, Alexander Kreileder als Pessimist, selbst bezeichne er sich als Realist. Eindringliche Portraits (Bruce Springsteen? Wir haben, traumverloren, nicht gefragt.) und düstere, fast bedrohlich wirkende, ins Abstrakte gehende Bilder zeigen den unbequemen Maler Alexander Kreileder, der als Künstler eigentlich bekannt ist wegen seiner beeindruckenden Skulpturen. In seinen Gemälden schaut er genau hin, seziert die Welt, verleiht der harten Realität Ausdruck, und in allegorischer Form tritt – siehe „Die große Seele“, eine Reminiszenz an Mahatma Gandhi – zu Tage, wonach der Künstler, nicht nur für sich, sich sehnt: Weisheit und Gelassenheit.
Musikalisch und blendend gelaunt verzauberten Peter Voice und Samuel String den Abend: Ob die beiden Stimmen mit Gitarren beim Song „Summerwine“ an Uschi Obermaier dachten oder einfach nur den Rotwein ehrten, den Sigi Vogl-Wolf, der Kuratorin Gefährte, nebst Wasser engagiert kredenzte, bleibt offen. Sicher ist, dass ab „La Bamba“ im Rathauskeller getanzt wurde.
Donnerstag, 23. Februar 2012
Des Bavarischen Volkes Stimme und des Schlafes Luder
Freitag, 20. Januar 2012
Das Bavarische Mehr und das Bavarische Weniger
Es ist nicht zwingend, dass Singer und Songwriter ihre Konzerttermine beim Stil-Wirt in Wolnzach auf ihren Geburtstag legen. Phil Vetter hat es getan und präsentierte mit Drummer und Bassisten sein brandneues Album „Karate“, eingebettet in Gewöhnung fordernde Neuinterpretationen der Lieblingsstücke aus seinen vorangegangenen Produktionen.
Wohl etwas angekratzt vom leichten Schock, der selbst professionelle Musiker ereilt, wenn sie an ihrem Geburtstag auf mehr als vier Jahrzehnte zurückblicken, betrat Phil Vetter in der Gaststube an der Wendenstraße die Bühne, von den selbstständigen Klängen des elektronischen Keyboards gelockt, und versuchte, das Genre der singenden Songwriter auf eine neue Ebene zu heben. Mit seiner Band, vor allem mit technischen Mitteln, wob er an einem facettenreichen, variable Stilmittel variantenreich einsetzenden Pop-Werk, das als Klangteppich mehr laut als leise aus der autochthonen Welt der schreibenden Sänger floh.
Am Boden gehalten wurden Vetters Songs von Wompmasta MC an den Drums, der mit den Sticks präzise auf Fellen und Becken rührte, und von Francisco Perez Mazon. Der Argentinier, hochaufgeschossen wie die Saiten seines Instruments und wohl deshalb auf den Namen „Flaco“ hörend, entlockte seinem Bass jene nötige Beruhigung, die schleudernde Teppiche vor dem Untergang bewahrt.
Am überzeugendsten zeigte sich Phil Vetter, wenn er sich auf Balladeskes besann, John Lennons „Imagine“ zitierte und mehr seinen Fingern auf den Tasten als den elektronischen Kapazitäten seines Keyboards vertraute. Und dass Gitarren-Soli aus dem Play-Back-Stage-Bereich erklingen, ohne dass ein entsprechender Musiker auf der Bühne agiert, gehört ins Reich des elektronischen Schnickschnacks verwiesen, wo dergleichen Firlefanz von einer melancholischen, aber inspirierten Singer-und-Songwriter-Performance träumen kann.
Dass Stil-Wirt Georg „Muskel“ Appel nach dem Geburtstagsständchen noch zur Mundharmonika griff und zum heftigen Blues-Rock auf die Bühne kam, war der Höhepunkt eines Konzertes, das hoffen lässt auf neue, individuelle, persönliche Ideen, und so, wie wir Phil Vetter kennen, präsentiert er im nächsten Jahr einfach ein bisschen weniger Vetter und wieder ein bisschen mehr Phil.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Der Bavarische Dad Horse und Hannos gestimmte Zimbeln
„Stimmt’s, Hanno?“ – „Is‘ richtig“, sagt Hanno. Banjo, Mandoline, Dad Horse Ottn, ein rot-weißes Megaphon und Hanno am Schlagzeug. Zwei Anzüge, zwei Krawatten auf der imaginären Bühne im Stil-Wirt, und bevor Dad Horse zum Banjo greift, zieht er die Schuhe aus. Sein Basspedal wünscht Zehenspitzengefühl.
Seine Songs sind Geschichten, und die launigen Geschichten, die Dad Horse, bürgerlich Dirk Ottn, dazwischen mit trockenem Humor erzählt, lakonisch und treffsicher, nisten sich in den Ohren ein wie lyrische Lieder. Gospel, Country, Folk – ein wunderbarer Mix, der beim Stil-Wirt lässig daher kommt wie eine urwüchsige, eigenständige Musikrichtung.
„Die Zimbeln gestimmt, Hanno?“, fragt Dad Horse seinen Schlagzeuger, und Hanno Jansen senkt bedächtig bejahend den Kopf. Und dann legen sie los mit „Dead Dog on the Highway“, das Banjo treibt Trucks über die Straße, Hannos Zimbeln halten sie in der Spur. Ein Glücksgriff ist dieser Mann für Dad Horse, der sonst alleine tourt, denn Hanno, mit pastoralem Jungengesicht, hält die fliegenden Noten-Teppiche in der richtigen Höhe, ein elegischer Hirte am Schlagzeug, der seine Schafe, die Zimbeln, klingen lässt und zwischendurch jenes rot-weiße Megaphon, mit ausklappbarem Haltegriff, an die Lippen führt, um Dad Horse vokal zu unterstützen.
Als wäre das alles nicht genug: Die letzte Zugabe auf ein wunderbares, kommunikatives Konzert zieht den Wirt auf die Bühne, auf jene imaginären Bretter, die – bei all der zelebrierten Traurigkeit – gelassene Lebensfreude bedeuten, denn die begeisterten Gäste fordern kräftig Beifall klatschend nun einen Cameo-Auftritt seiner Mundharmonika. Und dann legen sie ein letztes Mal los, Dad Horse Ottn am Banjo, Hanno Jansen an den Zimbeln und Georg „Muskel“ Appel an der Mundharmonika: „I Saw the Light“ fetzt durch die Stube, alle singen mit, irgendwie und irgendwo sogar Hank Williams, und jetzt, wo alles vorbei ist, sehen und hören wir es noch immer, dieses musikalische Licht in der Stube beim Stil-Wirt.
„Stimmt’s, Hanno?“ – „Is‘ richtich“, sagt Hanno. Sacht Hanno.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Die Bavarische Vermutung: Sylvias Mutter, Rad Gumbo und Hirmers Dackel
Noch nicht endgültig bewiesen ist die Vermutung, man könne von Luft und Liebe leben; die Behauptung aber, man könne von Musik nicht satt werden, ist nach dem Rad-Gumbo-Konzert im Stil-Wirt zu Wolnzach nun als Dummheit unwiderruflich in Stein gemeißelt.
So wie das gleichnamige Eintopfgericht aus dem Herzen des US-Bundesstaates Louisiana ist die Musik von „Rad Gumbo“: scharf, würzig, ungewöhnlich – und macht das Herz so rhythmisch satt und zufrieden, dass einem Mick Jaggers „Satisfaction“ wie dünne, salzlose Nudelsuppe in der Erinnerung verblasst.
Sänger und Akkordeonist Robert „Dackel“ Hirmer, Erwin Schmidl am Bass und Gerhard Spreng, der Meister der Präzision an den Drums, servierten einen brodelnden Mix aus eigenwillig arrangierten Coverversionen und ausgereiften Eigenkompositionen, bei dem das Publikum von der ersten Nummer an den Löffel nicht mehr aus der Hand legte, sondern enthusiastisch eintauchte in dieses Tausend-funkelnde-Sterne-Menue aus Südstaaten-Country-Rock und „allerhand Blues-G’schicht’n“: ein klassisches Dackelsches Understatement!
Und immer wieder, ersehnt und gewünscht, „Sylvia’s Mother“, ein Dr.-Hook-Titel, mit dem „Dackel“ Hirmers omnipotente Stimme melancholische Nostalgie und positive Lebensfreude zu jener Mischung vereint, von der man, man weiß es glücklich, noch zehren kann, wenn man die Schritte heimwärts lenken muss.
Davor aber setzte „Dackel“ Hirmer noch das Hans-Alberssche „La Paloma“, dieses omnipräsente Seemannslied der glücklichen Sehnsucht, der großen Freiheit und der großen Weisheit: „… einmal muss es vorbei sein!“ – ein würdiger Schlusspunkt, in Blues und Tango gehalten, unter einem fulminanten Konzert-Menue.
Donnerstag, 11. August 2011
Bajuwarische Ameisenripperl gefällig?
Jetzt sind wir also frisch angebloggt und noch kräftig schreibbloggiert. Was also bleibt uns übrig, als auf Bilder zurückzugreifen, die - wie dieses Wort ja schon deutlich macht - stets einen Zugang bilden können.
Einen Versuch ist es wert: Kurz nach dem Genuss eines bajuwarischen Nizzasalats mit japanischem Thunfisch in einem bajuwarischen Bistro mit italienischem Namen drängt sich uns also schließlich die multikulturelle Frage auf, ob es dort auch mexikanische Ameisenripperl auf regional-biologischem Grünzeug gegeben hätte. Wir bezweifeln das, obwohl wir uns im Herzen einer hopfnungsvollen Metropole befanden, und kehren wieder bescheiden zum bajuwarischen Espresso zurück.



